Weiße Pracht

Weiße Pracht V.Wagner

Valérie Wagner, aus: Weiße Pracht 3,


Weiße Pracht V.Wagner

2009

Die Farbe Weiss.

Weiße Haare verbinden auf visueller Ebene alle Menschen miteinander,
ganz unabhängig von Rasse, Haut- und ursprünglicher Haarfarbe.
Wir alle entwickeln uns auf den gleichen Endpunkt zu und sind in dieser urmenschlichen Erfahrung gleich.
Gleichzeitig werden weiße Haare ein immer seltenerer Anblick, obwohl
der Anteil von älteren Menschen in unserer Bevölkerung stetig wächst:
Viele Menschen färben ihre Haare spätestens dann, wenn sich die ersten grauen Haare zeigen. Was zuvor als Auszeichnung des Alters geachtet wurde, ist zu einem Makel mit Signalwirkung geworden, denn das derzeitige Schönheitsideal schließt alle körperlichen Phänomene des Älterwerdens aus.

Gleichzeitig verzeichnete Valérie Wagner den Verlust der Farbe „weiss“ auch auf einer anderen Ebene: Weiße Winter werden in vielen Teilen Deutschlands aufgrund der Erderwärmung immer seltener.

Der Begriff „Weiße Pracht“ wird normalerweise im Zusammenhang mit üppigem Schneefall benutzt. Genau wie der Winter mit seiner Verwandlung der Natur durch Eis und Schnee die vierte, letzte und ursprünglich weiße Jahreszeit markiert, so stellt auch die Verfärbung der Haare in silber, grau und weiß die letzte Lebensphase des Menschen dar, die aber mindestens ein Drittel des Lebens umfasst.
Für Valérie Wagner gibt es eine Beziehung zwischen beiden Phänomenen: Selbstverständliches ist selten und damit kostbar geworden.

Die Entfremdung des Menschen von sich selbst, von der Natur und von natürlichen Prozessen spiegelt sich sowohl im Klimawandel und seinen Folgen als auch im Wandel einer ästhetischen Wahrnehmung im Hinblick
auf die körperlichen Phänomene des Älterwerdens.

Valérie Wagner hat die weißen Haare als visuelles Phänomen in Szene gesetzt und fotografiert: als Beobachtende, die dieses so genau und so neutral wie möglich fotografisch beschreibt.
Die dunkelhäutigen Projektteilnehmer sind wichtiger Bestandteil dieser Arbeit, genauso wie die jüngeren Teilnehmer, die die Schönheit dieser Haarfarbe neu zelebrieren und die besonders deutlich machen, dass die weiße Pracht nicht zwingend mit hohem Alter verbunden sein muss.

Die Fotoarbeit „Weiße Pracht“ soll auf den schleichenden Verlust einer wichtigen Lebensphase und einer wunderschönen Jahreszeit aufmerksam machen; sie ist ein Plädoyer für den Mut zum Älterwerden genauso wie für
den Klimaschutz.

Weiße Pracht 1 V. Wagner

Valérie Wagner, Weiße Pracht 1, 2009


Weiße Pracht 2 V.Wagner

Valérie Wagner, Weiße Pracht 2, 2009


Weiße Pracht 3 V. Wagner

Valérie Wagner, Weiße Pracht 3, 2009


Weiße Pracht 4 V. Wagner

Valérie Wagner, Weiße Pracht 4, 2009